Wie kann man in zwei Monaten fließend Italienisch sprechen lernen?

Wie lernt man in zwei Monaten fließendes Italienisch? Das Vorhaben ist wahrlich nicht unmöglich, du wirst überrascht sein, wie gut dein Italienisch in gerade einmal zwei Monaten sein kann. Wir brauchen klare Vorstellungen, was und wie wir lernen wollen, müssen uns von alten Gewohnheiten befreien, die schwer loszuwerden sind und eine veraltete Art des Sprachenlernens darstellen; wir müssen Zugang zu einer neuen, dynamischen und interaktiven Art des Lernens erlangen, die es uns ermöglicht, auf Italienisch zu kommunizieren, ganz ohne langweilige Vokabellisten oder abstruse grammatikalische Regeln.

Hören

Es ist wichtig, zuzuhören

Es ist wichtig, zuzuhören

1. Umfassendes Hören

Die Fähigkeit des Zuhörens ist der erste und wichtigste Schritt zu einem dynamischem und effektiven Sprachenlernen.

Indem du dich auf deine Hörfähigkeiten konzentrierst und die erforderliche Zeit darauf verwendest, erzielst du Lernerfolge, die du mit dem Studium von Grammatik oder Vokabellisten niemals erreichen könntest.

Wie schafft man es zuzuhören? Auf welche Art und Weise sollte man zuhören? Worauf sollte man sich konzentrieren? Lauter berechtigte Fragen, die du dir vermutlich gerade stellst. Wir müssen zwei Arten des Zuhörens unterscheiden, d.h. zwei unterschiedliche Techniken, die beide wichtig sind, aber getrennt voneinander konsequent angewandt werden müssen; beide Ansätze haben ganz klare Zielsetzungen und werden in den Tagen des Übens abwechselnd eingesetzt.

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Das sogenannte umfassende Hören ist die erste dieser Techniken. Wähle einen ungefähr 3 Minuten langen Hörtext (mindestens zwei, höchstens vier Minuten) über ein Thema, das dir geläufig ist oder das dich zumindest interessiert, beispielsweise einen Text über eines deiner Hobbies. Höre ihn dir 7 Mal an. Mach dir keinerlei Notizen, schreib dir nichts auf, lass dich lediglich auf die Geschichte ein und versuche ihren Inhalt zu erfassen. Du wirst merken, dass mit jedem neuerlichen Zuhören mehr und mehr Dinge klar werden (wer spricht, wo das Gespräch stattfindet, mit wem gesprochen wird und warum).

Ganz wesentlich ist es, in dieser Phase nichts zu notieren, zumindest während der ersten fünf Hörproben, besser wäre es natürlich alle sieben Mal der Versuchung zu widerstehen. Das hilft um den Kopf frei zu haben für eine reale, aus dem Leben gegriffene Situation des Zuhörens; schließlich macht man sich üblicherweise ja auch keine Aufzeichnungen, wenn einem sein Gegenüber etwas erzählt. Das wäre vermutlich eine recht seltsame Situation wenn der Gesprächspartner merkt, dass du dir seine Aussagen notierst.

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Es ist wichtig, sich von Anfang an daran zu gewöhnen, den Inhalt eines Gesprächs zu erfassen ohne sich dabei Notizen zu machen, denn genau so findet ein authentischer Sprachaustausch statt. Wenn wir uns gleich an diese Herangehensweise gewöhnen, dann fällt uns später eine reale Konversation leichter, in der komplexere Synergien zum Tragen kommen und auch noch andere Fähigkeiten gefragt sind.

Ein weiterer Grund, warum dir empfehlen, während dieser Hörphase nichts aufzuschreiben, ist, dass dir bestimmte sprachliche Aspekte entgehen würden, wenn deine Aufmerksamkeit zwischen Schreiben und Zuhören aufgeteilt wäre. Wenn man sich Notizen macht, dann erfordert das Konzentration und du könntest dich nicht mehr vollkommen dem Zuhören widmen; aber bei der Technik des umfassenden Hörens kommt es nun einmal darauf an, 100% seiner Aufmerksamkeit auf den Hörtext zu richten und auf nichts anderes.

Am Ende jedes Durchgangs solltest du dich stets fragen wie viel Prozent des Gesprochenen du glaubst verstanden zu haben (ja, genau, nur dafür verwenden wir einen Stift). Wie viel hast du beim ersten Anhören kapiert? 1%? 5%? Gut, schreib dir diese Zahl auf. Hast du beim zweiten Mal irgendetwas erfasst, das dir beim ersten Mal entgangen ist? Ob der Unterschied nun klein oder groß war, ist ganz unerheblich, wir notieren uns einfach nur, dass wir nun vielleicht 5% oder 7% verstanden haben oder vielleicht waren es gar 10% oder 20%. Und so geht es immer weiter. Jedes Mal kontrollierst du, wie viel du beim jeweiligen Durchlauf verstanden hast. Am Ende der Übung hast du 30% erreicht, vielleicht aber auch 60% oder mehr. Es ist wirklich nicht wichtig, wie groß die absolute Zahl ist, bedeutsam ist nur, dass es eine Verbesserung von der ersten bis zur letzten Hörprobe gegeben hat.

2. Analytisches Hören

Analytisches Hören
Sodala, nun sind wir bei der zweiten Hörtechnik angelangt, diesmal wird uns unser geliebter Bleistift dabei unterstützen. Wir wechseln diese Methode des analytischen Hörens regelmäßig mit der des umfassenden Hörens ab.

Es geht zwar nach wie vor ums Hören, dennoch befinden wir uns nun auf einem vollkommen anderen Terrain.

Wir dir bereits der Titel suggeriert, beschäftigen wir uns nun analytisch mit den Details des Textes, dem wir beim umfassenden Hören bereits ganze sieben Mal gelauscht haben.

Der Inhalt des Gehörten dürfte mittlerweile einigermaßen klar sein, wobei das Verständnis durchaus zwischen 20% und 70% schwanken kann. Jetzt beginnt die analytische Phase.

Das Exzerpt

Als allererstes wählen wir einen 30-sekündigen Auszug des Hörtextes, den wir uns zuvor mit der Methode des umfassenden Hörens erarbeitet haben. Es kann sich um den Anfangs- oder Endteil handeln oder auch um irgendein Stück mittendrin, das macht keinen Unterschied. Wichtig ist nur, dass das Textstück eine halbe Minute dauert.

Mit Hilfe eines beliebigen Audioprogramms kannst du das für dich wesentliche Teilstück so oft du möchtest direkt an der richtigen Stelle wiedergeben.

Das weiße Blatt Papier

Das weiße Blatt Papier

Nachdem du alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen hast, nimmst du dir ein Blatt Papier und einen Stift und schreibst alles, das du in diesen 30 Sekunden hörst, Wort für Wort auf. Immer wieder und ohne Unterbrechung hörst du dir den Dialog an.

Wie viele Male? Das lässt sich nicht exakt sagen. Mach einfach so lange weiter wie es dir sinnvoll erscheint, so lange du noch etwas hinzufügen oder verbessern kannst und der Text vollständiger wird.

Für jedes Wort, das du nicht verstehst oder bei dem du dir unsicher bist, machst du einfach eine Linie, lässt das Problem fürs Erste aus und machst mit dem restlichen Text weiter. Schlussendlich wirst du einen halbfertigen Text haben, bei dem einige Teile fehlen. Solltest du hingegen alles zu 100% vollständig haben, dann sind deine Sprachfähigkeiten entweder schon sehr gut oder du hast dir eine zu einfache oder vereinfachte Hörprobe ausgesucht.

Authentizität

Damit diese Übung gut klappt ist es wichtig, dass es sich bei der Hörprobe um einen authentischen italienischen Text handelt, um Audiomaterial, das von Italienern für italienisch sprechende Personen erstellt wurde. Du solltest keinesfalls Materialien verwenden, die für Sprachstudenten vereinfacht oder langsamer aufgenommen wurden.

Bei der Verwendung vereinfachter Texte lernst du nicht viel. Die natürliche, echte, lebendige Sprache, wie sie von Muttersprachlern verwendet wird, hat ihre eigene, typische Sprechgeschwindigkeit.

Wenn du dich an verlangsamtes und vereinfachtes Hörmaterial gewöhnst, verschwendest du lediglich deine Zeit damit, eine Sprache zu lernen, die nicht existiert, weil niemand in Italien auf diese Art und Weise spricht.

Es ist sinnvoller, sich von Anfang an den „schnellen“ Hörbeispielen auszusetzen, die absolut gesehen ja gar nicht schnell sondern lediglich authentisch und natürlich sind. Akzeptieren wir beim Verständnis unsere anfänglichen Grenzen. Wenn du bei einem „verfälschten“ Audiofile alles auf Anhieb verstehst, dann verbessert das niemals deine Sprachfähigkeiten.

Sprechen

Gute Konversationen brauchen Übung

3. Freies Sprechen

Beschäftigen wir uns nun mit der zweiten Fähigkeit, dem zweiten Schritt, den es braucht, um binnen zwei Monaten ein gutes Italienisch zu beherrschen: dem Sprechen.

Der größte und offensichtlichste Unterschied zur vorigen Aktivität besteht darin, dass wir nun eine zweite Person benötigen, einen Gesprächspartner. Im Idealfall ist das ebenfalls ein Sprachschüler mit ähnlich guten Italienischkenntnissen.

Das ist notwendig um eine Konversation führen zu können. Wenn du mit dir selbst redest ohne mit jemandem anderen zu interagieren, dann bringt das keine guten Ergebnisse, und zwar aus demselben Grund, den wir bereits zuvor genannt haben: es handelt sich um keine reale Situation.  Nur im Gespräch mit einer zweiten Person erlebst du eine authentische Interaktion, bei der du nicht bereits vorweg weißt, wie die Fragen und Antworten deines Gesprächspartners ausfallen werden.

Beim Zuhören war es erforderlich, zwei unterschiedliche Techniken zu unterscheiden, das umfassende und das analytische Hören, und auch beim Sprechen gibt es wieder zwei Phasen, die wir getrennt voneinander anwenden und deren Zielsetzungen wir nicht miteinander vermischen dürfen.

Die erste Technik nennt sich freies Sprechen (oder fließendes Sprechen). In dieser Phase geht es nicht um grammatikalisch perfekte Sätze, sondern vielmehr darum ganz fließend und natürlich das zu sagen, was du ausdrücken möchtest. Natürlich wirst du beim Reden Grammatikfehler machen, aber darüber solltest du dir in diesem Augenblick keine Gedanken machen; die Aufgabenstellung besteht nur darin, die Sprache anzuwenden und frei zu sprechen, all das auszudrücken (Output), was das Hören (Input) bei dir ausgelöst hat. Würde man dich bitten, gleichzeitig fehlerfrei aber auch fließend und schnell zu sprechen, so würde man etwas Unmögliches von dir verlangen und du wärst vollkommen unnötig blockiert.

Es ist also besser, die Aufmerksamkeit nicht zugleich auf Grammatik (wie du es sagen möchtest) und Inhalt (was du sagen möchtest) zu richten.

4. Analytisches Sprechen

Diese Technik nennt sich analytisches oder kontrolliertes Sprechen, da wir in dieser Phase unser Hauptaugenmerk auf die grammatikalischen Strukturen, die wir verwenden wollen, legen.

Deine Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Details des Satzes, du achtest auf die Artikel und Präpositionen, auf konsistente Zeitenfolgen und die Stellung der Pronomen. Du verzichtest klarerweise auf eine fließende Sprachweise, auf die Geschwindigkeit, mit der du in der ersten Phase geredet hast. Das ist in Ordnung, man muss eine Komponente zurückstecken um eine andere zu verbessern.

Mit der Zeit ergänzen sich beide Aspekte, und der Tag, an dem dich nicht mehr für das eine oder andere entscheiden musst, ist der Tag, an dem du ein fortgeschrittenes Niveau der italienischen Sprache erreicht hast.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es dir diese Tipps ermöglichen, ein gutes Italienisch in nur zwei Monaten zu sprechen. Versuche die einzelnen Schritte von Tag zu Tag abzuwechseln.  Du könntest dir überlegen, dich jeden Tag der Woche auf eine der besprochenen Aktivitäten zu konzentrieren.

Ideal wäre es, sich in der Früh mit dem umfassenden Hören zu beschäftigen und nachmittags mit dem analytischen Sprechen; am Tag darauf werden die Phasen dann vertauscht, so dass vormittags das analytische Hören dran ist und nachmittags das freie Sprechen.

Auf diese Weise alterierst du sehr effizient die beiden Fähigkeiten (Hören vs. Sprechen) und auch die Techniken (umfassend/frei vs. analytisch/kontrolliert).